Story Of My Life: Warum sich mein Leben verändert hat


Long time no see. Das trifft es genau. Nun bin ich wieder hier, mit neuer Energie und einigen neuen Ideen. Die letzten Monate waren nicht leicht für mich - und wenig stressfrei. Ich habe mein Bachlor-Studium beendet. Und ich habe eine Diagnose bekommen, die mein Leben auf den Kopf gestellt, mich aber gleichzeitig glücklich gemacht hat. Genau diese Diagnose wird ein Teil dieses Blogs werden, der sich nicht länger nur um Mode drehen soll. Wer jetzt glaubt, ich sei schwanger liegt falsch. Der Blog wird persönlicher. Und er wird den neuen Mittelpunkt meines Lebens wieder spiegeln: Kochen. Und das sage ich als bislang absolute Niete in der Küche. Aber genug um den heißen Brei herum geredet. Seit April diesen Jahres weiß ich, dass ich histaminintolerant bin. Für mich heißt das: Ich muss täglich kochen, ich kann kaum bis gar nichts mehr einfach so zu essen kaufen. Restaurantbesuche sind kompliziert, für Tagesausflüge oder Urlaube plane ich mein Essen akribisch durch. Ich stehe noch am Anfang. Je länger ich damit lebe, desto einfacher wird es.

Obwohl der Text lang ist, freue ich mich, wenn ihr bis zum Ende lest. Ich war mir lange unsicher, ob ich eine solch persönliche Sache mit der Unendlichkeit des Internets teilen möchte. Da Histaminintoleranz bei Weitem noch nicht anerkannt und viel zu wenig erforscht ist, habe ich mich für diesen Schritt entschieden, um darauf aufmerksam zu machen. Hier geht es um meine Geschichte, nicht um die wissenschaftliche Richtigkeit der Intoleranz. Dafür gibt es Personen und Seiten, die sich zu 100 % besser damit auskennen. 


Meine Geschichte

Angefangen hat alles vor etwa zwei Jahren mit Durchfall. Erst alle paar Wochen, dann immer häufiger. Nach und nach gesellten sich weitere Symptome dazu. Zuerst Übelkeit, dann unglaubliche Nervosität und Unruhe sowie Zittern, das mich oft die ganze Nacht wach hielt. Ich dachte mir nichts weiter dabei, schließlich befand ich mich zu der Zeit in einer stressigen Phase in der Uni. Die Symptome legten sich in den Semesterferien ein wenig, kamen aber mit Unibeginn wieder. Ein ganz klarer Fall für mich: Ich musste ruhiger werden und mich nicht so sehr von der Uni und dem Notendruck (den ich mir natürlich selbst gemacht habe) stressen lassen. 
Im Sommer 2013 kam dann mein bisheriger Tiefpunkt. Neben der Prüfungsphase an der Uni und meiner Arbeit habe ich noch für ein Footballteam gecheert. Hieß: Dreistündige Auftritte an der Sideline, die meinem Körper oft den Rest gaben. In dieser Zeit gesellten sich Schlaflosigkeit und ständige Kreislaufprobleme zu meinen Symptomen, die soweit gingen, dass ich einige Male nachts einen heftigen Kreislaufzusammenbruch erlitt. Natürlich gibt es deutlich schlimmere Sachen, aber dieses Gefühl eines solchen Zusammenbruchs jagt mir immer wieder Schauer über den Rücken. Daneben war mir ab dem Sommer vor einem Jahr fast täglich über Stunden unglaublich übel, so dass ich zu kaum etwas imstande war. Das ganze zog sich durch meinen Urlaub in Kalifornien. Im Endeffekt kein Wunder: Das Essen war pures Gift für mich, voller Histamine und histaminfreisetzender Dinge. Der absolute Tiefpunkt kam an einem Abend in LA, nachdem ich zwei Tage hintereinander Pizza gegessen und Rotwein getrunken habe. Beides ist mit das schlimmste, was man als Histaminintolerante zu sich nehmen kann. Von LA bekam ich eher weniger mit, danach habe ich mich nur noch von trockenem Brot, Kartoffelbrei und Hashbrowns ernährt. Alles histaminarme Lebensmittel, wie mir hinterher klar wurde. Logischerweise verschwanden meine Symptome für den Rest des Urlaubs fast vollständig. Auch zuhause ging es mir zuerst besser. Nach und nach füllte sich mein Histaminfass jedoch durch falsche Lebensmittel wieder auf. 
Den absoluten Tiefpunkt erreichte ich im Dezember/Januar, nachdem ich wegen einer Mandelentzündung zwei Mal mit Antibiotikum behandelt wurde. Das zerstörte meine Darmflora komplett und beeinflusste damit die Intoleranz, da das histaminabbauende Enzym DAO im Darm gebildet wird und bei mir durch die Medikamente natürlich kaum noch vorhanden war. Ich hatte ständig Hunger, dabei war mir aber trotzdem übel. Der Schwindel wurde zu einem Schwankschwindel, durch den ich mich wie auf einem Schiff fühlte. Während ich vorher alle Symptome auf Stress geschoben hatte, begann ich nun endlich mit einem Ärztemarathon. Nach vielen weniger erfolgreichen Terminen landete ich in der Gastroenterologie des UK Aachen, das eine ganze Reihe von Intoleranz-Tests ansetzte. Und siehe da, mein DAO-Wert war viel zu niedrig. Der Arzt, der sich selbst kaum damit auskannte, riet mir zu einer histaminarmen Ernährung. Mit Hilfe dieser Liste  begann meine Reise in das Land der histaminarmen Ernährung. Meine Mutter, bei der ich an den Wochenenden immer esse, war mir eine große Hilfe und stellte sich sofort auf meine neue Ernährung ein. Mir ging es schlagartig besser. Als erstes verschwand das ständige Hungergefühl, dann der schreckliche Schwindel. Das Zittern wurde besser, ich konnte wieder schlafen. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich noch nie so glücklich über eine Diagnose war. Ich hatte die Ursache für mein lebenseinschränkenden Symptome gefunden, die ich seitdem bekämpfe. Zu meinen Essgewohnheiten wird es bald einen eigenen Post geben.

Was ist eine Histamintoleranz?

Eine Abbaustörung des Histamins. Wir produzieren Histamin zum einen selbst im Körper, zum anderen nehmen wir es über Nahrungsmittel zu uns. Darüber hinaus gibt es Lebensmittel, die Histamin im Körper freisetzen, es aber nicht selber enthalten (sogenannte Liberatoren). Histamin gehört zu den biogenen Aminen und ist z.B. für den Schlaf-Wach-Rythmus, die Magensäureproduktion und die Darmbewegungen verantwortlich. Leider weist die Forschung (noch) erhebliche Lücken bezüglich des Wissens über Histamin und damit der Intoleranz auf. Viele Ärzte kennen sich mit dem"Krankheits"bild überhaupt nicht aus (mir sagte sogar ein Arzt ins Gesicht, er glaube nicht, dass es eine Intoleranz gegen Histamin gebe. Als ich sagte, dass ich mit einer histaminarmen Ernährung kaum bis keine Symptome mehr habe, war er auf einmal ruhig). Da aber immer mehr Menschen darunter leiden, wird die Medizin hoffentlich verstärkt in diese Richtung forschen. 

Was kann ich nicht essen?

Da Histamin vor allem mit dem Essen aufgenommen bzw. freigesetzt wird, fragt ihr euch sicherlich, auf welche Nahrungsmittel ich verzichte. Angefangen bei Tomaten (ich bin kochfaul...mein tägliches Mittagessen bestand grundsätzlich aus Nudeln mit Tomatensauce. Ist es da ein Wunder, dass es mir so schlecht ging?!), Avocados, Thunfisch, Soja, Alkohol (meine Freunde freuen sich, weil ich neuerdings immer fahren kann :o), geräucherten Lebensmitteln über Nüsse, Schokolade (die weiße geht), gereiftem Käse bis hin zu Zitrusfrüchten, Erdbeeren, Himbeeren, Kiwis und Eiweiß. Generell gehen daneben keine Zusatzstoffe sowie keine Geschmacksverstärker und damit keine Fertiggerichte jedweder Art. Außerdem habe ich für mich herausgefunden, dass ich Dinkel deutlich besser vertrage als Weizen, weshalb ich letzteres komplett meide. Auch Hefe und Sauerteig sollen bei Histaminintoleranz eine negative Rolle spielen. Da ich meinen Körper erstmal komplett entgiften will, verzichte ich auf diese beiden Zutaten ebenfalls. Das heißt im Umkehrschluss: Brot backen. Ich als bislang kompletter Küchenfeind. Am Anfang gewöhnungsbedürftig, jetzt schon gewöhnlich. Man lernt eben nie aus. 

Nicht zu vergessen: Stress spielt bei mir eine ganz große Rolle. Sobald ich gestresst, traurig oder verärgert bin, schüttet mein Körper sehr viel Histamin aus, so dass es mir schlecht geht. Wie ich diese "Anfälle" eindämmen kann, schreibe ich nochmal in einem gesonderten Post.

So viel zur Intoleranz. Das oben geschriebene ist nur ein kleiner Ausschnitt, auch die zu meidenen Lebensmittel sind nicht vollständig. Alles andere hätte hier aber den Rahmen gesprengt. Wer sich für das Thema interessiert, ist auf dieser Seite gut beraten: http://histaminintoleranz.ch/. Sie hat mich besonders am Anfang allumfassend informiert.

Kommentare:

  1. WOW! ich weiß garnicht wo ich anfangen soll... als erstes: Schön wieder von dir zu hören!! Das mit der Intoleranz klingt wirklich sehr hart! Als ich die Liste gelesen habe wurde mir ganz schön mulmig... Es tut mir wirklich total Leid, auf was du jetzt alles verzichten musst, wie abhängig du nun vom Planen bist und unflexibel was Essen gehen etc. angeht. Das stelle ich mir wirklich sehr sehr schwer vor!
    Trotzdem finde ich deine Lösung klasse! Ich bin wirklich schon sehr gespannt auf das, was du uns hier alles erzählen wirst und drücke dir für deine Zukunft auf jeden Fall die Daumen, dass du gut mit allem zurecht kommen wirst!

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  2. Das ist wirklich sehr interessant zu lesen und ich bin froh, dass du das alles mit uns teilst. Es ist wichtig, auch eine solche Krankheit aufmerksam zu machen.
    Ich bin gespannt, welche Rezepte du mit uns teilen wirst.
    Ich kann dir nur den Rat geben postiv zu denken. Denke nicht an die Dinge, die du ab jetzt nicht mehr essen darfst, freu dich auf neue Rezepte und Lebensmittel :)
    Liebe Grüße
    Steffi

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