Histaminintoleranz: Pille?! Nie wieder

Wie die Überschrift schon vermuten lässt, richtet sich dieser Post an die weiblichen Leser unter euch. Es geht um die Pille und meine Erfahrungen mit ihr in Bezug auf die Histaminintoleranz. Als ich meine Diagnose im April bekommen habe, nahm ich bereits seit einem Monat keine Pille mehr. Ich hatte sie in der Hoffnung abgesetzt, dass sich meine zahlreichen Symptome etwas verbessern würden. In meiner damaligen Unwissenheit hatte ich geglaubt, dass mein schlechter Zustand eventuell der Anti-Baby-Pille geschuldet sei. 
Wie bereits hier und hier geschrieben, ging es mir nach Erhalt der Diagnose und einer entsprechenden Ernährungsumstellung schnell sehr viel besser. Dafür bekam ich ein anderes Problem: Pickel. Nach einigen Stunden bei meinem Lieblingsratgeber Google wurde mir klar, dass dieses Schicksal wohl fast jeden Frau nach Absetzen der Pille trifft. Das einzig wirklich wirksame Gegenmittel? Warten. Warten, bis sich der Körper an den plötzlichen Hormonentzug gewöhnt hat. Gesagt, getan, viel anderes blieb mir auch nicht übrig. Aber auch nach Monaten gingen die lästigen Pickel nicht weg; im Gegenteil...sie vermehrten sich immer weiter. Da ich gleichzeitig meine Periode nur alle drei Monate bekam, entschloss ich mich vor sechs Wochen, die Pille wieder zu nehmen. Die Erfahrungsberichte mit der Pille bei Histaminintoleranz waren zwiegespalten: So mancher Frau half sie, ihre Symptome im Griff zu halten, bei anderen verschlimmerte sich alles. Da probieren über studieren geht, warf ich ohne weiteres Nachdenken die kleinen Tabletten ein. 
Am Anfang war noch alles gut; ich merkte weder positive noch negative Veränderungen. Doch schon nach gut einer Woche fing es an: Stimmungsschwankungen, ich war gereizt, unglaublich sensibel und hatte ständig das Gefühl, krank zu werden. Das alles kannte ich noch von früher, mit der Ernährungsumstellung hatten sich diese Symptome aber so gut wie ganz verzogen. Gut, dachte ich, erstmal abwarten. Dann wurde ich das erste Mal seit langem krank (wer mich kennt, weiß, dass ich früher sehr oft krank war. Ein halbes Jahr ohne irgendwas ist eine wirkliche Seltenheit bei mir). Zufall oder nicht? Das konnte ich schwer beantworten, da mein Freund zur selben Zeit krank war. Also weiter abwarten. Der erste heftige Histaminschub (hier habe ich bereits darüber geschrieben) ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Seitdem habe ich das Gefühl, ständig zu viel Histamin in mir zu haben - egal, wie sehr ich auf mein Essen achte und versuche mit Vitaminen und Heilerde dagegen zu steuern. Meine alten und überhaupt nicht vermissten Symptome werden gefühlt täglich stärker. Übelkeit am Abend und in der Nacht, Kreislaufprobleme, ein verspannter Nacken und Kopfschmerzen (man kann mir sagen was man will, diese Art von Kopfschmerzen hatte ich in den letzten Monaten so gut wie nie...jetzt fast jeden Tag), fast schon depressive Phasen, in denen ich nur weinen möchte, Stimmungsschwankungen, Abgeschlagenheit, wenig Ausdauer und und und. Dazu gesellte sich letzte Woche ein erneuter großer Histaminschub. Der zweite innerhalb eines Monats.
Für mich stand spätestens da fest: Das ist kein Zufall mehr. Die Pille, die ganzen Hormone, die sie in meinem Körper ausschüttet, tun mir überhaupt nicht gut. Ich werde sie nach diesem Blister wieder absetzen. Damit sage ich hoffentlich tschüss zu den Symptomen. Gleichzeitig darf ich wohl die Pickel wieder begrüßen. Aber ganz ehrlich? Lieber lebe ich mit einem Gesicht voller Pickel als mit meinen Symptomen, die mir jetzt schon den Alltag wieder erschweren. Da sie immer stärker werden, möchte ich mir nicht ausmalen, wie es in ein paar Monaten wäre. Und die Pickel, tja, die werde ich aussitzen müssen. Irgendwann werden sie schon weg gehen.
An alle Frauen, die meinen Bericht gelesen haben, und die Pille nehmen: Setzt sie ab. Versucht es. Vielleicht wird es euch damit auch besser gehen? Und an alle Frauen, die den text gelesen haben, die Pille nehmen, aber nicht histaminintolerant sind: Versucht es auch mal ohne Hormone. Ich bin der festen Meinung, dass dieses Übermaß an Hormonen keinem Körper gut tun kann. Das einzige wirkliche Problem sind die Verhütungsalternativen. Im Moment bin ich auf der Suche nach einer guten, nicht-hormonellen Alternative für mich und werde euch dabei auf dem Laufenden halten.


Liebst, Sarah

Kommentare:

  1. Hallo Sarah,
    das ist ein super Artikel, der viele Mädels betrifft. Es ist klasse von dir, dass du das Thema offen ansprichst. Ich bin Kathrin, 22, und studiere VWL in Freiburg. Wegen diverser Nebenwirkungen habe ich vor 2 Monaten die Pille abgesetzt.
    Ich bin auch noch auf der Suche nach einer zuverlässigen hormonfreien Alternative. Zur Zeit verwenden mein Freund und ich Kondome. Da ist zwar sicher nicht optimal, aber wenn man sich mal daran gewöhnt hat, ist es gar nicht so umständlich, wie ich vorher immer geglaubt habe.
    Leider kann ich von meinen Kommolitoninnen keine Empfehlung bekommen, da ausnahmslos alle, die kenne, die Pille nehmen, aber das ist vermutlich an allen Hochschulen so.
    Alles Liebe !
    Kathrin

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  2. Liebe Sarah,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel, den ich wirklich für sehr bereichernd halte.
    Auch ich nehme mit HIT (und Hashimoto) keine Pille mehr und das schon seit über 10 Jahren. Damals mit ca. 16 habe ich es 1 Jahr ausprobiert und mich von Stimmungsschwankungen zu depressiven Phasen zu Migräneattacken gequält - und dann für mich beschlossen: Das kann es nicht sein. Und so habe ich mich für ein Leben gegen Hormone entschieden und bin damit auch sehr glücklich.
    Jetzt bin ich vor 8 Monaten Mutter geworden und kann sagen: Die Schwangerschaft und diese unglaublich vielen Hormonumstellungen und Schübe und so weiter haben mir und meinem Körper, meiner HIT und meinem Hormonsystem unglaublich gut getan! Es kann also nicht die "Lösung" sein, schwanger zu werden. Falls es aber doch passiert, weil mit Kondom etc ist man im Zweifel ja doch nicht so ganz auf der 100% sicheren Seite (gibt es aber ja eh nicht), kann ich nur sagen: Vielleicht ist es das Beste, was einem passieren kann ;) Bei mir ist es auf jeden Fall so gewesen (zum Glück!). Auch jetzt werde ich mich wieder gegen die Einnahme von Hormonen entscheiden und sehen, ob es irgendwie irgendwo eine (noch sinnvollere) Alternative gibt als mit Kondom zu verhüten.
    Alles Liebe für deinen Weg,
    Nora

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